Historical Fencing

Auch in Europa wusste man sich seiner Haut zu erwehren

Auerswald – Ringerkunst 10v & 10r

Es tut mir Leid, dass es zur Zeit etwas dauert bis ich neue Seiten poste, allerdings habe ich derzeit auch einiges anderes um die Ohren. Spätestens im August sollten wieder schneller Seiten kommen.

10v:

Das Zucken vor dem Mann

Wenn Ich ihm abgewunden gabe / So kome ich mit meiner rechten Hand / an seine rechte Hand / und mit meiner Lincken Hand an seinen rechten elnbogen / und Zucke ihn fur mir uber / und im Zucken / wische ich mit meiner Lincken Hand unter seinem rechten Arm hin-durch uber seine Brust / und im Zucken / trete ich mit meinem Lincken Schenckel Hinter seinen rechten So habe Ich ihn mir der Linc-ken hüffte und bin seiner ganz gewaltig /

10r:

Zue der 6. Figura vom Zucken vor dem Man

Das Zucken aber in den oder sich Loß winden ist nichts anders / alß wan mich Jemand beij den Armen faßet / das Ich mich als balde Loß mache mit dem Winden der Armen entweder untersich od uber sich oder nach der seiten / es seij Zur Lincken oder rechten seiten / und wen mus solches geschehen / das man dar nach dem Leibe  Zue eilet / sonderlich den Schwechen wie oben gemelt und  Zuegleich auch mit dem fußen oder Schenckeln hinter des kegenteils Schenckel getreten oder gesprungen / Ihn darnach nach aus theilung des Leibs / in den Schwechen ange-greiffen und Zue boden geworffen / wie in der 5. figura demonstriret und diese itzige auch ausweiset /

Auerswald – Ringerkunst 9v & 9r

Im Folgenden habe ich mich auch an den lateinischen Passagen versucht. Da ich jedoch keine lateinische Ausbildung genossen habe handelt es sich dabei um eine enge Cooperation mit Google. Falls es falsch sein sollte bitte mitteilen.

9v:

Zue der 5. oder folgenden figura

In dieser folgenden figura ist fast das ganze fundamenta des Ringens und erffens Zubetrachten welches dan Zum mehrern theil amgewichte mit den fußen / an der teilung des Leibes / an des ubern Leib declination und an den juncturis und griffen geleg n welches geschehen soll / eher man nah den ganz en Leib faßet oder angreifft / Sondern allein die eußersten Schwechen und unleidlig sten orter des Leibs angreifft / al nemlich am ubern Teil des Hals die jun-cture maxillarum / circae infra aures [ Oberkiefergelenk unter den Ohren]

Am untern teill des Leibes Membrum virile se-ratum [Gemächt] et feemores [Oberschenkel]

In Extremitatibus juncturas membrorum aut liga-menta articulationum [Verbindungsstellen der Gliedmaße oder die Bänder] und die Achseln Elbogen Hende und finger / Stem (?) und die knie knuhsel und Zehen / welches alles nachder declination des Leibs und nach dem gewichte deßelbigen sol gebraucht werden / Alß nem lich furwerts hinderwerts und seidlings / entwed Zur rechten oder Zur Lincke seiten wohin sich der kegentheill od wiederpart Zum meisten neiget und decliniret / So kan man mit geringer Ar-beit seinen wiederpart abbrechen und Zur erde werffen / kan auch Zue beiden seiten Lincks und recht gebraucht werden

9r:

Wen du nu siehest / das er sich beuget / so nim mit deiner Lincken Hand seine Lincke und Zucke ihn darnach strec-ke deine rechte Hand unter seinen kin hindurch und im strecken / mustu mit deinem rechten Bein hinter seinen Lincken Schenckel springen so bistu seiner ganz gewaltigh /

Auerswald – Ringerkunst 8v & 8r

8v:

Dis Stucke heißet die Schweche des Arms / das due mit deiner Rechten Hand schlahest uber sein Lincke / nahe beij der faust / so mus er sich biegen

8r:

Von der Schweche des Arms

Indieser figura meldet der Autor der Schweche des Arms /  welches sonderlich wol Zue mercken ist / nicht allein im Arm sondern in allen juncturis soll solches gebrauchet werden / Sonderlich an Starken persohnen den man sonst nicht abgewinnen kan da mus man allezeit die Stercke kegen ihre Schweche setzen / als wan Ich dreij teile miner Klinge kegen eines andern eine deil seiner klinge setze Zum andern greifft er in dieser figur auch mit der andern Hand Zue / drucket seine des wieder-parts eine Hand mit seinen beiden feist an den Leib / damit er nicht Loßkommen kan /

Und wen gleich der Kegentheil mit seiner Zue geschlossnen Hand / den Autor ins gesiche stoßen wol-te / konte ers dah Leichtlich versetzen und wegk neh-men / damit er ihm keinen schaden thun konte /

Auerswald – Ringerkunst 7v & 7r

7v:

Von dem Schlosringen

Wiß Wie der werffen geschiht / wen sie beide einand an die achsel greiffen / der eine inwendig der ander auswendig des arms / ist aber Zum meisten am gewichte gelegen / welches der Autor mit seinem Lincken Knie anzeigt / und des kegenteils Schenckels unter dem knie seidlings weck weget / und Zue gleich auch mit seiner Lincken hand / des andern Lincke bein in die hohe hebet / und ihn also Zur erden fellet /

Dis mus aber alles geschehen /wen man sich bei den armen und schenckeln faßet / Zue vor ehe man sich bei dem ganzen Leibe erwischet oder angreifft / ich halte es aber für gewisser und sichere an bloßen zu fulbringen / alß wen ich mit beiden Armen kurtz vor seinen henden abwindet / und greiffe darnach mit meinem Lincken Arm uber seine Achsel an seinen Hals / darnach mit meinem rechten an sein gemechte zwischen die beine / mit meinem Linckern Knie hinter sein rechte / woge am Knie / drücke am halse / und hebe am gemechte / so kan er sich nirgent hin lencken winden oder ßincken als mir allein zur erden / Undsolches sei schuhz auch auf beiden seiten Zur lincken und rechten /

7r:

Das ander Stücke des Schlossringen

Da falle ich mit meinen lincken Arm uber seinen Lincken hinuber / und hebe von Inwendig sein Lincke Bein uber dem knie auf / und trete mit meinem Lincken Schenckell hinter seinen rechten / da muß das uberfallen und trit ein ding sein / so Schnell mus Zue gehen und das gehet von beiden seittenn /

Auerswald – Ringerkunst 6v & 6r

6v:

Das Erste ist das man einem kurtz für der hand abwindet Linck und recht / daraus siehet man / wie sich der man gegen einem halten will

6r:

Von dem Anbindenn

In diesem stande kan man gar eigentlich sehen / was der Autor fur vorteill gebraucht / alß nemblich das er zwey gelenck / kegen des andern eine gelenck / alß kegen das er ste gelengk hinder des andern hand seinen Ellebogen Setzet / das er dan viel stercker mit wegk nehmen kan / alse ihme der kegenthaill mit sei-nem ersten  gelenck des armes mit der hand kan (rehpontieren?)

Wors ander stehet er noch gar niedrig und nicht mit ausgestrackten gliedern / damit ihn der / so kegen ihn stehehet / nirgend in ein er Schweche oder junctura er greiffen kan

Zum dritten hat er seine Hende nochgar dichte Zuesammen und verschloßen / damit ihn sein kegen-theill / nicht irgend beij einem finger oder daumen ergreiffen kan / und ihn darnach also zue sich ziehen und zue boden werffen / welches auch sonderlich wol sol gewereket werden/

Auerswald – Ringerkunst 5v & 5r

Das Vorwort überspringe ich einmal und gehe gleich zu 5v und 5r weiter, wobei ich versuche so nah wie möglich am Original zu bleiben.

5v:

Vors anders soll man fleißgih acht haben ob einer mit ausgestrackten gliedern zue dir kumpt / oder mitt krummen / den wer mit gestrackten gliedern zue ei-nem andern kumpt / ist leichtlich in die Schweche zue bringen / und folgendes zue uberweldigen / Sonderlich wen er die Schwechen oder junctura des Laibes wol zue greiffen weis zy henden und füßen / welche die kützeren teil des Laibes sein / darnach auch den ganzen Leibe / der hals das gemechte und die beiden tempora hinter oder unter den ohren/

Zum dritten sol man auch guete achtung haben ob einer mit geschloßenem oder offenem Leibe zu einem kumpt / wenn er mit geschloßenem Leibe kompt so mus man viele mühe haben / Ehe man man seinien Leib kan auf-schleußen / kumpt er aber mit ausgestracktem und offenem Leibe / mag man ihn wohl kühnlich in der schweche angreiffen / Solches alles ist in dieser figuta zube-trachten / dey der Autor dieses Buchs /welcher das glatte kleide an hat / stehet mit gesenkedem kleide und niedrigem Leibe / mit gebogenen und zuesammen gezogenen gelencken / mit geschloßenenem Leibe und henden / drumbkan er nicht so leichtlich aus seinem vorteil gebracht / auch nicht so balde in der eußersten Schweche beschedigt oder zue boden geworfen wer-den / wie sein Gegenpart.

5r:

Erstlich so siehe auf / ob der Man hoch oder Niedrig zue dir gehet / Gehet er hoch / so darffstu dich nicht besorgen / und machst die Stücke so du im sin hast / frey nehmen / Gehet er aber niedrig so habe dein in guter achtt

Ringerkunst von Fabian von Auerswald

Nicht wenigen dürfte das Buch von Fabian von Auerswald über die Ringerkunst in der Übertragung von Wassmansdorf ein Begriff sein. In dem Buch beschreibt Fabian von Auerswald einige historische Ringtechniken des Mittelalters, allerdings kann einen vereinzelt das Gefühl beschleichen, dass einzelne Informationen fehlen. Das Göttinger Digitalisierungszentrum hat nun eine komplette Version der Ringer Kunst: fünff und achtzig stücke zu ehren Kurfürstlichen gnaden zu Sachsen etc. digitalisiert, so dass sich HEMA verrückte aus der ganzen Welt auf zusätzliche Schriftseiten mit Erklärungen der Ringtechniken freuen können. Soweit ich kann und Zeithabe werde ich versuchen in der nächsten Zeit hier eine Transkription zusammenzustellen in der Hoffnung auf regen Wissensaustauch.

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